Fördern sekundäre Pflanzenstoffe das Abnehmen?

Es gibt viele Wundermittel zum Abnehmen auf dem Markt. Die meisten halten jedoch einer wissenschaftlichen Beurteilung nicht stand. Sekundäre Pflanzenstoffe sind für ihre gesundheitlichen Wirkungen schon lange bekannt. Jetzt mehrt sich langsam die Evidenz, dass sie auch beim Abnehmen eine Rolle spielen.

Früher galten die pflanzlichen Lebensmittel nur als Lieferanten von Vitaminen, Mineralstoffen, Nahrungsfasern und Stärke. Ihre Wirkung auf die Gesundheit lässt sich aber nicht alleine durch diese Nährstoffe erklären. Sie muss auch von anderen Stoffen stammen. Dass Pflanzen viele andere Stoffe enthalten, ist seit langem bekannt. Aber erst der Fortschritt in der Forschung ermöglichte es, ihre Wirkung zu verstehen. Und darunter fällt auch der Einfluss auf den Fettstoffwechsel und das Abnehmen.

Sekundäre Pflanzenstoffe und Abnehmen

Was sind sekundäre Pflanzenstoffe?

Diese anderen Stoffe der Pflanzen galten ursprünglich als Abfallprodukte des Pflanzenstoffwechsels. Deswegen hat man sie «sekundär» genannt. Die Anzahl dieser sekundären Pflanzenstoffe ist enorm. Bereits eine einzelne Pflanze kann Tausende dieser Stoffe enthalten und bis heute wurden über 50’000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe bestimmt. Sie werden nach ihrer chemischer Struktur in Gruppen zusammengefasst, wie zum Beispiel die Polyphenole oder Alkaloide 1.

Heute weiss man, dass die sekundären Pflanzenstoffe alles andere als Abfallstoffe sind. Sie tragen als Schutz- oder Signalstoffe einen wesentlichen Beitrag zum Überlebenserfolg einer Pflanze bei. So halten beispielsweise bittere Schutzstoffe Fressfeinde fern und Farb- oder Geruchsstoffe locken Insekten für die Bestäubung an.

Bekannte Nutzen für den Menschen

Sekundäre Pflanzenstoffe gehören für den Menschen nicht zu den lebensnotwendigen Nährstoffen. Ein Mensch kann also auch ohne diese Stoffe Überleben. Aber da die sekundären Pflanzenstoffe erheblich zur Gesunderhaltung beitragen und das Risiko vieler Krankheiten senken, gilt eine ausreichend hohe Einnahme an pflanzlichen Lebensmitteln trotzdem als notwendiger Bestandteil jeder sinnvollen Ernährungsweise.

Als Gründe für die schützende Eigenschaft der sekundären Pflanzenstoffe kommen hauptsächlich zwei chemische Wirkungen infrage: die antioxidative und die entzündungshemmende Wirkung. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht-alkoholbedingter Fettleber oder Diabetes liegt oft eine leichte, aber chronische Entzündung im Stoffwechsel vor 2. Dies ist insbesondere bei gleichzeitigem Übergewicht der Fall 3. Daher vermutet man in der entzündungshemmenden Eigenschaft der sekundären Pflanzenstoffe einen wesentlichen Grund für das tiefere Krankheitsrisiko bei hohem Konsum an pflanzlichen Lebensmitteln 4.

Neuer Nutzen: besseres Abnehmen?

Der vermutlich früheste Hinweis, dass sekundäre Pflanzenstoffe auch das Entstehen von Übergewicht beeinflussen können, stammt wie so oft aus Rattenversuchen. Diese Erkenntnis wurde aber anschliessend vergessen. Forscher der Universität von Paris konnten bereits 1971 zeigen, dass sekundäre Pflanzenstoffe des Tees, die Katechine, die Einlagerung von Fett in der Leber von Ratten erheblich senkten 5.

In den letzten 15 Jahren wurden viele weitere Untersuchungen durchgeführt, einige auch am Menschen. Die Datenlage ist nicht eindeutig, aber auch nicht ernüchternd. Gewisse sekundäre Pflanzenstoffe wie die Katechine aus dem Tee, die zur Gruppe der Polyphenole gehören, wirken definitiv im Fettstoffwechsel und scheinen in der Tat das Abnehmen und den Gewichtserhalt etwas zu verbessern 6.

Zuwarten oder bereits jetzt einsetzen?

Es gibt diverse valide Hinweise auf einen Nutzen einiger sekundären Pflanzenstoffe beim Abnehmen und dem Gewichtserhalt. Und auch wenn die wissenschaftliche Evidenz hierzu noch nicht eindeutig ist, so gibt es keine Hinweise auf einen negativen Einfluss. Die Situation ist also: Entweder sind sie von Vorteil oder nicht, aber sie sind jedenfalls nicht von Nachteil. Und wenn sie nicht beim Abnehmen helfen, so senken sie immer noch das Krankheitsrisiko und helfen, das Gewicht zu erhalten 7.

Der Einsatz von sekundären Pflanzenstoffen sollte jedenfalls nicht über isolierte Stoffe erfolgen. Denn es gibt zu viele davon und Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen sekundären Pflanzenstoffen, welche vielleicht erst die Wirkung auf den Stoffwechsel ausmachen, sind schlicht unbekannt. Die Einnahme ganzer pflanzlichen Lebensmittel in ihrer ursprünglicheren Form ist auch nicht immer ideal für das Abnehmen. Getreide, diverse Früchte und auch Gemüse können einen nennenswerten Anteil an Kohlenhydraten aufweisen. Ist der Gehalt an Kohlenhydraten in einer Portion zu gross, wird die Fettverbrennung über das angestiegene Insulin erheblich gesenkt.

Soll das Potenzial der sekundären Pflanzenstoffe hinsichtlich Gewichtsreduktion ausgeschöpft werden, muss dies über pflanzliche Lebensmittel erfolgen, die nur wenige bis kaum Kohlenhydrate enthalten. Nur so wird der grösstmögliche Nutzen sichergestellt.

Die Vegisan AG stellt mit den ultradichten Nährstoff-Tabs ein rein pflanzliches Lebensmittel zur gewichtskontrollierenden Ernährung her, welches wenige Kohlenhydrate enthält und auch als Mahlzeitersatz eingesetzt werden kann. Als Tagesration von 10 Tabs liefern sie weniger als 1000 kcal. 

Literatur

  1. Wink M. Introduction: Biochemistry, Physiology and Ecological Functions of Secondary Metabolites. In: Wink M, (Hrsg.). Biochemistry of plant secondary metabolism. 2. Auflage. Chichester, West Sussex: Wiley-Blackwell. 2010, pp. 1–19.
  2. Minihane AM, Vinoy S, Russell WR, Baka A, Roche HM, Tuohy KM et al. Low-grade inflammation, diet composition and health: current research evidence and its translation. Br.J.Nutr. 2015; 114:999–1012.
  3. Johnson AR, Milner JJ, Makowski L. The inflammation highway: metabolism accelerates inflammatory traffic in obesity. Immunol.Rev. 2012; 249:218–38.
  4. Watzl B. Anti-inflammatory effects of plant-based foods and of their constituents. Int.J.Vitam.Nutr.Res. 2008; 78:293–8.
  5. Gajdos A, Gajdos-Tërök M, Horn R. The effect of (+)-catechin on the hepatic level of ATP and the lipid content of liver during experimental steatosis. Biochem.Pharmacol. 1972; 21:594–600.
  6. Rothenberg DO’N, Zhou C, Zhang L. A review on the weight-loss effects of oxidized tea polyphenols. Molecules 2018; 23.
  7. Schwingshackl L, Hoffmann G, Kalle-Uhlmann T, Arregui M, Buijsse B, Boeing H. Fruit and vegetable consumption and changes in anthropometric variables in adult populations: A systematic review and meta-analysis of prospective cohort studies. PLoS ONE 2015; 10:e0140846.
Von | 2018-09-11T16:50:47+00:00 25. Juli 2018|Abnehmen, Science News, sekundäre Pflanzenstoffe|0 Kommentare

Über den Autor:

Dr. Paolo Colombani
Chief Science Officer, Vegisan AG; 20 Jahre Lehr- und Forschungstätigkeit an der ETH Zürich

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